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Reisen, Mobilität, Alltagswelt: Unser Leben 2030 – Ein Blick in die nahe Zukunft – Interview mit Trendbeobachter Mathias Haas

Profile Photo By: Carsten Hennig
July 11, 2017

Reisen, Mobilität, Alltagswelt: Unser Leben 2030 – Ein Blick in die nahe Zukunft – Interview mit Trendbeobachter Mathias Haas

Hamburg/Berlin, 11. Juli 2017 –
Technische Entwicklungen und Mobilität prägen unser Privat- und Berufsleben immer mehr. Wir sind flexibler, erreichbarer, viel unterwegs und ständig online. Das ist die Gegenwart. Aber wie sieht unser Leben 2030 aus? Eines ist sicher: immer mehr Menschen werden mobil sein. Bis 2030 plant die Deutsche Bahn deshalb ihr jetziges Angebot um 25 Prozent zu erweitern. Künftig wird es 150 ICE-Fahrten mehr pro Tag geben. Mehr Kundenkomfort, hohe Umweltfreundlichkeit, und der Einsatz neuester Technologien haben jetzt und zukünftig hohe Priorität. Der neue ICE 4 ist das Rückgrat des zukünftigen Fernverkehrskonzepts. Im Dezember 2017 geht er in den regulären Betrieb. Was uns bis und in 2030 noch bewegen wird, erläutert Trendbeobachter Mathias Haas im Gespräch mit der DB. Er ist “Zukunftsdetektiv” und ständig auf der Suche nach Hinweisen darauf, wie wir unser Leben in ein paar Jahren tatsächlich führen werden. Seine Empfehlung: Wer sich schon jetzt auf die Zukunft einstellt, ist für das Kommende bestens gewappnet.

Trendbeobachter Mathias Haas
Trendbeobachter Mathias Haas

Herr Haas, überraschende Dinge passieren gegenwärtig. In Schweden kann man sich Fahrkartenchips in die Hand implantieren lassen. Gibt es aus Ihrer Sicht noch mehr Anzeichen für zukünftige Reise-Standards, die wir uns heute kaum vorstellen können?
Matthias Haas: Tatsächlich machen immer mehr Menschen “Upgrades”. Warum auch nicht: technisch ist dies möglich. So sind wir die letzte Generation, die sich “nur” Tattoos stechen lässt. Und ja, in Stockholm gibt es schon so manche Cyborgs, also Träger von Chip-Implantaten. Heute unterstützt uns das Smartphone nahe am Körper, morgen funkt der Chip eben aus dem Körper. Davon abgesehen wird der Koffer smart. Derartige Funktionen werden sehr schnell zum Status-Symbol. Bald weiß also der Reisende, dass sich sein Gepäck “bewegt”, obwohl er oder sie vielleicht gerade entspannt im Speisewagen sitzt.

Werden uns 2030 noch echte Taxifahrer zum Bahnhof fahren? Autonomes Fahren ist ja die nächste große Veränderung in der Mobilität. Was ist Ihr Tipp für die “Schiene”: Kommt der Hyperloop oder ein neuer Hochgeschwindigkeitszug im traditionellen Stil?
Nun, das selbstfahrende Auto kommt – aber es kommt stufenweise über mehrere Jahrzehnte. Durch den Einsatz von wirkungsvolleren Technologien können mehr Autos, Züge und Flugzeuge betrieben werden. Beispielsweise fahren sie dichter. Doch schlussendlich sind moderne Gesellschaften auch mobile Gesellschaften. Wir reisen alle immer mehr und damit wächst der Wunsch nach Geschwindigkeit. Mit dem ICE 4 haben wir ja schon heute ein Verkehrsmittel, das sich an unseren wachsenden Reisebedürfnissen orientiert. Der Hyperloop kommt genauso, wie die Neuauflage der Concorde. Menschen werden schon in drei bis fünf Jahren wieder in dreieinhalb Stunden von Europa nach New York fliegen.

2030 ist die Generation Z erwachsen. Wird sich ihr Anspruch an Freizeitgestaltung und Komfort im Vergleich zu heute wesentlich geändert haben?
Diese Altersgruppe hat eine völlig andere Normalität: Ich. Jetzt. Überall. Die Damen und Herren von morgen werden genauso Aufmerksamkeit lieben wie die Generation davor, doch jeder junge Mensch weiß ganz genau: Für ein normales Leben gibt es keine Likes. Also muss das extrem seltene Hobby her. Ich meine, wir sind früher auch zum Frühstück nach Paris gefahren, warum soll das 2030 anders sein? Paris ist nur zu naheliegend, damit der “Social Media-Post” durch die Decke geht. Jetzt kommt dazu, dass die Generation Z durchaus Budget hat. Und wer reist nicht gerne bequem? Am liebsten bei 250km/h.

Was könnten 2030 typische Hobbys sein? Welcher heutige Lifestyle wird sich am ehesten weiterentwickeln?
Wie die Hobbys in 13 Jahren genau aussehen, ist kaum seriös vorhersehbar. Jedoch ist glasklar, dass es extreme Nischen geben wird und Menschen das “Durchschnittshobby” auf Teufel komm raus vermeiden werden. Wer als Freizeitbeschäftigung blaue, nur blaue, Schmetterlinge beobachtet, der findet dieselben “Freaks” irgendwo auf diesem Planeten. Irgendwo gibt es auch dafür einen Blog und ein Forum zum Austausch. Wir alle kennen zunehmend nur noch Menschen, die uns sehr ähnlich sind. Blaue Schmetterlinge eben.

Der Vormarsch der Künstlichen Intelligenz und des Internet of Things ist Realität. Sind apokalyptische Schreckensvisionen gerechtfertigt, wo sind sie völlig überflüssig?
Gesunder Menschenverstand hilft auch bei diesen Megatrends. Egal wie sexy oder wie beängstigend eine neue Entwicklung sein mag: Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Wir müssen uns mit diesen Themen beschäftigen, sie testen, ausprobieren. Nur so werden Ängste abgebaut und eigene Erfahrungen gemacht. Es ist grob fahrlässig, Themen wie die Künstliche Intelligenz nicht mitzugestalten. Die Welt bewegt sich weiter. Sicher, reine Bedenkenträger brauchen wir, aber bitte nicht 82 Millionen davon.

Werden wir 2030 noch googlen? Wird öffentliches Wlan in Deutschland überall sicher und verfügbar sein?
Leistungsstarker Internetempfang ist für viele heute schon ein Grundrecht, zu Recht! Also ja, wir werden auch 2030 noch suchen – vermutlich mehr denn je – und wir werden dies mit unserer Stimme und zunehmend auch mit Gesten machen. Algorithmen und automatisierte Kommunikation bedienen zunehmend unseren Wunsch nach Einfachheit. Wir alle lieben es bequem, und Informationen kommen immer häufiger aufbereitet zu uns, statt wir zu ihnen.

Was würden Sie Ihrem jüngeren ICH für 2030 mit auf den Weg geben?
Selbstbewusstsein. Die Gewissheit, dass wir anpassungsfähig sind, ist vielleicht das wichtigste Instrument im Umgang mit Veränderung. Und ich würde ihm einpflanzen, dass 2030 mehr denn je gilt: “You got to find what you love, if you haven’t found it… don’t settle, keep looking.” Dieser Satz kommt von Steve Jobs und appelliert an uns, zu suchen, bis die eigene Leidenschaft gefunden ist. Warum? Die Welt wird zum Dorf, jeder Spezialist wird gefunden – egal wo er oder sie lebt. Ganz sicher. Und “der beste der Welt” auf meinem Spezialgebiet kann ich nur dort sein, wo ich meine Leidenschaft habe. Wir Menschen stehen im globalen Wettbewerb und wir werden zusätzlich von Maschinen herausgefordert. Die besagte Künstliche Intelligenz ist ein Beispiel dafür, dass wir wirklich gut sein müssen, damit wir nicht im direkten Wettbewerb enden. Also verrückt sein, wenig Routine zulassen und Vollgas geben. Es wird 100%ig belohnt!

Über Mathias Haas: Mit seinem Team beschreibt Trendbeobachter Mathias Haas das “Hier und Jetzt”, denn die Zukunft ist heute schon sichtbar. So reist der Trendexperte zu Paradebeispielen und deren Machern. Er testet selbst und nimmt sich Zeit – zum Denken. Er ist kein Berater, sondern bietet Megatrend-Updates und hilft bei der Entwicklung eigener Antworten. Der internationale Schwabe hat über hundert Markteinführungen mitgestaltet und ist seit einem Jahrzehnt am “Zukunftsmarkt”. Mehr auf www.trendbeobachter.de

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